Einführung in den Leitfaden für das Kooperationsmanagement und dessen Anwendung

Hintergrund und Ziel 

Für die Entwicklung von langfristig tragfähigen Geschäftsmodellen in einer nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft ist elementar, wie die Akteure über die Wertschöpfungsketten hinweg und darüber hinaus Austauschbeziehungen miteinander gestalten. Kooperation stellt damit ein Element eines gelingenden Innovationsprozesses dar. Dazu ist die Ausgangsüberlegung, dass Kooperationen dazu beitragen können,

a) besondere Nachhaltigkeitsleistungen (wie öffentliche Güter1) hervorzubringen bzw. negative externe Effekte zu internalisieren und 
b) die Marktposition der Partner_innen (durch Mengeneffekte, Innovationskraft oder Nischenbildung) zu stärken.


Das stellt besondere Anforderungen an das Management solcher Kooperationen, die z.T. divergierende oder widersprüchliche Ziele verfolgen. Kooperationen werden in diesem Leitfaden verstanden als die Zusammenarbeit heterogener Akteure bzw. Akteursgruppen (z.B. Verbände, Verwaltung, Landwirtschaft) zur Erbringung von Nachhaltigkeitsleistungen im Landmanagement bzw. in der Land- und Ernährungswirtschaft. Es wird davon ausgegangen, dass es bei dieser Zusammenarbeit jemanden gibt der/die Initiator_in ist und die Rolle als Koordinator_in übernimmt, auch wenn die Kernpartner_innen der Kooperation gleichberechtigt sind. Diese Definition von Kooperationen ist weit gefasst, da sie sowohl Innovationsprozesse in Wertschöpfungsketten, als auch Innovationsprozesse zu verschiedenen Themen des nachhaltigen Landmanagements auf regionaler Ebene berücksichtigt. Der Leitfaden Kooperationsmanagement hilft den Akteuren, ihre Kooperation untereinander zu verbessern. Dadurch können sie Aufwand und Ertrag von Kooperationen besser abschätzen und ihre Kooperationen als einen Schlüssel für nachhaltiges Landmanagement erfolgreich (effektiv und effizient) gestalten. 

 

1) Darunter versteht man Güter, von deren Nutzung andere Personen nicht ausgeschlossen werden können und die gleichzeitig von mehreren Personen genutzt werden können z.B. saubere Luft, sauberes Wasser.  

Zielgruppe des Leitfadens

Der Leitfaden wendet sich vor allem an Akteure, die Kooperationen initiieren und organisieren, sog. Schnittstellenmanager_innen. Häufig handelt es sich um intermediäre Organisationen, die eine vermittelnde oder verbindende Position zwischen verschiedenen Akteuren einnehmen (z.B. Verbände, Regionalmanagement, koordinierende Unternehmen in regionalen Wertschöpfungsketten). Oft sind sie sehr eng mit den Innovator_innen (Ideengeber_innen, Pionier_innen, Zugpferde) verbunden, manchmal identisch damit. Konkrete Beispiele für die Zielgruppe sind Koordinator_innen von Kooperationen innerhalb von Wertschöpfungsketten (z.B. zur Einführung und Etablierung von Produkten mit bestimmten Nachhaltigkeitsqualitäten) oder Organisationen in Schnittstellenfunktionen des Landmanagements (z.B. Institutionen, die den Erhalt und die Pflege von Kulturlandschaften fördern).

Der Leitfaden unterstützt die Anwender_innen dabei:

  • zu prüfen, ob eine Kooperation für die Realisierung der Innovation notwendig bzw. förderlich ist,
  • eine Kooperation zu planen und zu initiieren,
  • bestehende Kooperationen zu analysieren (Bestandaufnahme),
  • Kooperationen zu strukturieren,
  • sie zu managen,
  • sie periodisch hinsichtlich ihrer Qualität zu reflektieren.
  • sie ggfs. zu beenden. 

 

Es handelt sich um ein übergreifendes Hilfsmittel, das unterschiedliche Anforderungen an das Kooperationsmanagement im nachhaltigen Landmanagement abdeckt. Es ist aus verschiedenen Bausteinen aufgebaut, die spezifische Funktionen des Kooperationsmanagements (in unterschiedlichen Phasen) erfüllen. Die Bausteine setzen sich ihrerseits aus unterschiedlichen Instrumenten zusammen. Dabei greift der Leitfaden u.a. Instrumente auf, die im betrieblichen Kooperationsmanagement von Bedeutung sind, spezifiziert diese aber – sofern sinnvoll – für den speziellen Gegenstand – Kooperationen im nachhaltigen Landmanagement.

Kooperationselemente

Aus der Literatur wurden insgesamt sechs Elemente von Kooperation herausgearbeitet, die zentral für diesen Leitfaden sind:

  1. Innovationsziele und Kooperationserfordernisse
    In einem ersten Schritt müssen die Ziele der Innovation für das nachhaltige Landmanagement geklärt werden, um daraus abzuleiten, ob eine Kooperation für die Erreichung dieser Ziele vorteilhaft ist. Innovationsziele und Kooperationserfordernisse können zu einem Leitbild für die Kooperation verdichtet werden.
  2. Akteure und ihre Ressourcen
    Geeignete Partner_innen mit passenden Kompetenzen und Ressourcen müssen identifiziert und eingebunden werden. Es sollte die 'richtige Mischung' der Kooperationspartner erreicht werden.
  3. Verteilung von Aufwand und Ertrag
    Aufwand und Ertrag der Kooperation müssen für die einzelnen Kooperationspartner_innen erfasst, bilanziert und fair verteilt werden.
  4. Kooperationsstruktur
    Die Kooperationsstruktur wird festgelegt mit einer Aufgabenverteilung, Verantwortlichkeiten, Entscheidungsregeln und der Installierung eines Kooperationsmanagements. Darüber gibt es möglichst eine schriftliche, besser vertragliche Vereinbarung.
  5. Kooperationsmanagement
    Die Abläufe zur Leistungserbringung mit Steuerung der Planung und Umsetzungsprozesse müssen gestaltet werden. Dazu zählen das Controlling, die Finanzierung der Kooperation, die Moderation und das Konfliktmanagement.
  6. Kommunikation und Kooperationskultur
    Es muss ein Kommunikationskonzept für eine transparente interne und externe Kommunikation erstellt, ein Wissensmanagement in der Kooperation sowie Vertrauen zwischen den Partner_innen aufgebaut und ein Wir-Gefühl entwickelt werden.

 

Die ersten drei – Ziele, Akteure und Leistungen bzw. Leistungsausgleich – entscheiden zentral darüber, wie nachhaltig die Innovation für das Landmanagement ist. Das Kooperationsmanagement muss auf diese drei Elemente (der Innovation) zugeschnitten sein, damit die Kooperation tatsächlich die Erbringung von Nachhaltigkeitsleistungen unterstützt. Die weiteren drei Elemente – Kooperationsstruktur und -management sowie Kommunikation – sind stärker operativ ausgerichtet und fragen danach, ob das Kooperationsmanagement effektiv und effizient umgesetzt wird. Sie sind allgemeiner und weisen keine ausgeprägten Besonderheiten des nachhaltigen Landmanagements auf.